Rezensionen 2017

Konzerte im Pfarrverband

Die Orgelregister meisterlich beherrscht

Während die vielen Besucher von der Hennefer Festmeile nach einer Visite des traditionellen Stadtfestes und der Kirmes recht wohlgemut wieder heimwärts strebten, begrüsste Pfarrvikar Wolfgang Rick in der Geistinger Pfarrkirche St. Michael, den Gastorganisten Rudolf Fischer aus Regensburg/Donau zu einem instruktiven und wirklich gelungenen Orgelkonzert, in dem als musikalische Rarität auch vierhändige und vierfüssige Orgelwerke und Orgelbearbeitungen interpretiert wurden. Der Gastorganist studierte Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg und Kirchenmusik (Konzertfach Orgel) in München, während der zweite Organist, Dr. Dietmar Hofmann (Kirchenmusiker in St. Michael Geistingen), Kirchenmusikexamina in Regensburg und Düsseldorf absolvierte. Danach nahmen die beiden Orgelinterpreten allein oder in allerbester musikalischer Eintracht und kongenialer Partnerschaft auf der Orgelbank der Weimbs-Orgel Platz, in der gleichnamigen Orgelwerkstatt in Hellenthal (Eifel) geschaffen wurde und im Jahre 1996 in der Geistinger Pfarrkirche St. Michael eingeweiht und damit seiner kirchenmusikalischen Bestimmung übergeben worden ist. Für Dr. Dietmar Hofmann gewiss ein Glücksfall, da er ein Jahr später sein Amt als hiesiger Kirchenmusiker antrat, das er bis heute innehatte. Das wohlklingende Instrument (zu dem sich eine vorzügliche Akustik gesellt) verfügt über 27 klingende Stimmen, die auf zwei Menuale und Pedal verteilt sind. Dr. Dietmar Hofmann hatte seinem Gast natürlich den Vortritt gelassen, der sich mit ganz vorzüglichen Gesten und vorbildliche Attitüde in die Orgelfantasie in G-Dur (BWV 572) von J. S. Bach (1685-1750) vertiefte, die in der Zeit von 1708 bis 1712 im thüringischen Weimar komponiert wurde.

Inspirierte Haltung

Der unsterbliche Orgelvater suchte in der Fantasie die musikalische Auseinandersetzung mit französischen Werken der damaligen Zeit. Der Geistinger Kirchenmusiker erwähnt in seinem sorgfältig erarbeiteten und instruktiven Programm „Lobt Gott im Himmel – auf der Erde“, dass die nahezu pathetisch anmutende Fantasie ein herrliches Orgelstück (und als solches wahrlich mit ambitioniertem Duktus und inspirierter Haltung von Rudolf Fischer intoniert) sei. Das äussert sich letztlich in den grossartigen und ausgeprägten Figurationen und Arppegien, bei denen ein markant-ostinater Bass daherschreitet. Das gibt dem Ganzen ein majestätische und hehre Wesenszüge, die der Regensburger Organist in meisterlicher Manier geradezu auskostete. Was hätte sich wohl Bach gedacht, wenn er dem Orgelinterpreten zugehört hätte, der die Fantasie mit wachem Herzen zelebrierte und ganz von selbst die Seelen den Hörer erreichte. Ja, so und nicht anders muss man mit Bach umgehen! Dasselbe gilt auch für „Prélude, Fugue et Variation“ (op.18) von César Frank (1822-1890), ein wunderschönes Werk mit filigranen und virtuosen Figuren, das zur selten zu hören ist und den bezaubernden und erquickenden Musikgeist des Rokoko spiegelt. Rudolf Fischer spürte den lieblichen und köstlichen Manieren und Melismen ebenfalls mit wacher Gebärde nach und liess diese auf ganz kunstfertige Weise erblühen.

Orgekonzert und Orgelmeditation

Dr. Dietmar Hofmann hatte sich für das nicht alltägliche Orgelkonzert, dass hin und wieder an eine Orgelmeditation erinnerte, für das faszinierende Orgelstück „La valse des anges“ (Walzer der Engel) aus der Feder von Julien Bret (1974) entschieden. In der Vorwoche konnte beim Orgelkonzert in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas vom spielfertigen und spielfreudigen Danziger Orgelprofessor Roman Perucki mit dem phantasievollen und beschwingten Orgelstück „Hevelius“ ein weiteres Werk von Julien Bret hören. Der Geistinger Kirchenmusiker, der den „Engelstanz“ bei einem Weihnachtskonzert des MGV Geistingen aufgeführt hatte und dafür viel Lob erhielt, verdiente sich auch beim Orgelkonzert bei dessen wirklich mustergültigen und beseelten Interpretation sehr gute Noten und fand damit die ungeteilte Zustimmung der Kirchenbesucher, die sich nach dem letzten Orgelton mit stehendem Beifall bei den beiden Orgelmusikern bedankten. Diese erwiderten die verdiente Ehrerbietung mit einem vierhändigen Menuett von Samuel Wesley (1736-1834). Dr. Dietmar Hofmann apostrophierte mit dem Menuett aus der 4. Symphonie op. 32/III von Louis Vierne (1870-1834). Diese Symphonie, die im 1914 komponiert wurde, gehört zu einem der bedeutendsten Orgelwerke und erinnert in der Registrierung an den berühmten h-moll-Choral von César Frank. Der Geistinger Organist hatte sich mit dem wundervollen Menuett eingehend beschäftigt und so erklang des Werk des blinden französischen Komponisten und Organisten auf schönste Weise durch den Kirchenraum. Von den vierhändigen und vierfüssigen Werken, die allesamt wie aus einem Guss dargeboten wurden, ragte besonders die viersätzige Sonate Nr. 1 in d-moll op.30 von Gustav Adolf Merkel (1827-1885) hervor. Die beiden Orgelmusiker zeigten dabei ein traumhaftes Einverständnis und versenkten sich dabei mit zielstrebigen Gesten in die Partitur. Das trifft ebenfalls auf  Präludium und Fuge in C von Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), Introduktion zur Fuge in Es-Dur von J. S. Bach von Samuel Wesley sowie die Bach-Fuge in Es-Dur in einer Bearbeitung von Vincent Novello (1781-1861) zu,      

Walter Dohr

 

Die Klangfülle der Rieger-Orgel ausgereizt

Pfarrvikar Wolfgang Rick begrüsste den polnischen Orgelprofessor Roman Perucki, der an Musikakademie in Gdansk (Danzig) lehrt, Meisterkurse in Polen, Russland. Portugal, Japan und Australien leitet, als erster Domorganist an der Kathedrale zu Oliwa, Generaldirektor der Baltischen Philharmonie in Danzig und Präsident der Pommerschen Vereinigung „Musica Sacra“ fungiert, das Internationale Orgelfestival in Oliwa und mehrere Konzertzyklen in den Danziger Kirchen organisiert und betreut und mehr als 2.500 Orgelrecitals (!) in den Vereinigten Staaten, Japan, China, Australien und Südamerika in hochkarätiger Manier gestaltet hat, als einen höchst renommierten Orgelkünstler, der auch in Hennef kein Unbekannter ist. Regionalkantor Norbert Schmitz-Witter hat vor Jahren in Danzig geweilt und an der riesigen Kathedralorgel in Oliwa gespielt. Das dürfte für den Hennefer Kirchenmusiker, dem wiederum ein hochmusikalischer Wurf gelungen ist und der damit die von ihm initiierte und organisierte Reihe der Orgelkonzerte einmal mehr bereichert hat, ein grossartiges Erlebnis gewesen sein. Vielleicht sollte man erwähnen, dass Prof. Roman Perucki vor mehr als einem Jahrzehnt eine CD in der Klosterkirche in Marienstatt im Westerwald an der dortigen Rieger-Orgel (!) eingespielt hat. Dazu muss man wissen, dass in Oliwa ein Kloster des Zisterzienserordens existierte.  

Inspiriertes Orgelkonzert

Das instruktive und äusserst inspirierte Orgelkonzert rückte die bestechende Klangfülle und  nachweisliche Vielfalt der Klang- und Registermöglichkeiten in den musikalischen Fokus, was man bei der heroischen und majestätischen „Suite gothique“ (op. 25) von Léon Boellmann (1862-1897) ganz deutlich hören und wahrlich erleben konnte. Der elsässiche Komponist und Organist hat das hymnische und imposante Werk zwei Jahre vor seinem Tod zur Einweihung der neuen Orgel in der Kathedrale von Dijon in Frankreich vertont und dürfte schon damals die Hörer regelrecht in Extase versetzt haben, wie das auch in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas am zweiten Septembersonntag geschehen ist, in der die Besucher dem Gastorganisten nach dem phantasievollen und beschwingten „Hevelius“ (mit lieblichen Zimbelstern-Sequenzen) von Julien Bret (1974) stehend applaudierten. Den wirklich verdienten Lohn honorierte der Orgelinterpret mit einer augenzwinkernden Polonaise eines polnischen Komponisten und einer Choralbearbeitung des von Martin Luther geschrieben Kirchenliedes „Eine feste Burg ist unser Gott“. Die Toccata in der Boellmann-Suite ist jedem Orgelvirtuosen vertraut und gehört daher zu den meistgespielten Toccaten (ähnlich wie die d-moll-Toccata von J. S. Bach). Durch geschickte und ausgesuchte Registrierungen und Phrasierungen werden dabei immer wirkungsvolle Interpretationen ermöglicht, wie dies auch dem Orgelspiel von Prof. Roman Perucki anzuhören war.

Breite Klangpalette

Dabei bietet die Rieger-Orgel an St. Simon und Judas wahrhaft eine breite und Interessante Palette an Klang- und Interpretationsmöglichkeiten bis hin zum furiosen und prägnanten Finale der Toccata. Das nutzte der erfahrene und seelenvolle Gastorganist weidlich aus und bewies auch beim Präludium und Fuge in Es-Dur (BWV 552) von J. S. Bach (1685-1750) seine Orgelkunst bis in die allerletzten Nuancen auszuspielen. Darüber hätte sich das unsterbliche Vorbild aus der Barockzeit gewiss auch gefreut! Ausserdem hat der polnische Orgelprofessor eine der Solokonzerte aus „La Stravaganza“ (op. 4) des alten venezianischen Meisters Antonio Vivaldi (1678-1741) aufgegriffen, die dieser für Solovioline, Streicher und Generalbass vertont hat. Möglicherweise stammt die gelungene Adaption des Solokonzerts für die Orgel vom Orgelinterpreten selbst, was leider nicht aus dem Programm hervorging. Als Hommage an die historischen Danziger Komponisten und Organisten des aus dem ostpreussischen Insterburg gebürtigen Daniel Magnus Gronau (1700-1747) und des im westpreusischen Elbing geboreren Friedrich Wilhelm Markull (1816-1897) intonierte der polnische Orgelflüsterer und Seelenwanderer Choralvariationen zum Kirchenlied „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“) in der kompositorischen Manier der Norddeutschen Schule eines Dietrich Buxtehude (1637-1707) oder eines Vincent Lübeck (1654-1740) und eine Sonate  des protestantischen Kirchenlieds „Nun danket alle Gott“.

Walter Dohr

 

 

 

Familienmesse St. Michael Geistingen

Der Familienchor St. Michael Geistingen braucht stimmliche und instrumentale Verstärkung. Darum warb Pfarrer Hans-Josef Lahr vor dem Schlusssegen in der Familienmesse am letzten Feriensonntag in der Geistinger Pfarrkirche St. Michael um weitere Sängerinnen und Sänger sowie Musikerinnen und Musiker. Das hat die Leiterin des Familienchores, Ulla Mertens, die mittwochs von 20.00-21.30 Uhr im Geistinger Pfarrheim St. Michael regelmässig singt und musiziert, gewiss ganz besonders gefreut. Der Familienchor, der gemeinsam mit dem katholischen Familienzentrum St. Michael & St. Simon und Judas, die wirklich gelungene Familienmesse musikalisch und mimisch recht ausdrucksvoll gestaltete, trat in lindgrünen Poloshirts auf. Der Pfarrer vertiefte für die grosse Kinderschar und die Gemeinde auf lebendige Weise  das Evangelium, in dem Christus dem heiligen Petrus die Himmelsschlüssel übergibt. Diese biblische Szene hat Peter Paul Rubens in einem barocken Ölgemälde verewigt, das sich heute in der Berliner Gemäldegalerie befindet. Das Gemälde illustriert auf meisterhafte Weise die besagte Szene aus dem Matthäus-Evangelium. Hans-Josef Lahr betonte, dass die historische Schlüsselübergabe ein symbolischer Akt gewesen sei, den die Kirche zugleich als Einsetzung des Papsttums verstanden hat, und unterhielt sich mit den Kindern über das Wesen eines Schlüssels, der letztlich Macht, Verantwortung und Vertrauen ausdrücke. Darüber hinaus hatte man ein Bild der Geistinger Pfarrkirche im Altarraum ausgestellt, auf das während der Fürbitten kleine Papierbausteine mit den Namen aller Messbesucher aufgeklebt wurden. Auch dieses stellte einen symbolischen Akt dar und sollte die kleinen und grossen Kirchenbesucher allesamt als lebendige Steine der Kirche auf sinnträchtige Weise darstellen. Eine überaus treffliche Idee, die mehr sagte als viele Worte! Der Familienchor präsentierte sich gemütserfrischend und vertiefte sich mit spürbarer Hingabe unter seiner umsichtigen Dirigentin in die glaubensfrohen Lieder, von denen das eine oder andere gemeinsam mit der Gemeinde intoniert wurde. Die unterschiedlichen Instrumentierungen von E-Piano, Trompete, Blockflöte, Trommel, Gitarre und Orgel gaben dem ganzen musikalischen Geschehen sinnfällige klangliche Akzente, wobei sich Angelika Rönn-Rieck als versierte Klavier- und Orgelbegleiterin zeigte. Beim hoffnungsfrohen Schlusslied „Möge die Strassen“ eilte sie auf die Orgelempore und begleitete alle Mitwirkenden und die Gemeinde mit ihrem ausdrucksbetonten Orgelspiel. Danach freute sich der Pfarrer auf das Familienfest zwischen dem  Familienzentrum und dem Geistinger Pfarrheim und lud die Gemeinde zum Mitmachen ein!

 

Walter Dohr

Ich wollte wie Orpheus singen

In den sechziger Jahren intonierte Reinhard Mey sein wunderschönes Lied „Ich wollte wie Orpheus singen“, in dem er bekanntlich seine Liebe offenbarte. Die Sänger des MGV „Eintracht“ Stossdorf huldigten dem sympathischen Barden in der Cafeteria des Geistinger Altenzentrums „Helenenstift“ beim gelungenen und traditionellen Helenenfest. Chorleiter Karsten Rentzsch hockte sich wie Reinhard Mey auf einen Stuhl und begleitete die stimmlich gut disponierten Singstimmen auf der Gitarre, wodurch das beseelte Lied geradezu authentische Züge annahm. Darüber hätte sich der beliebte Liedschöpfer wohl ebenso gefreut hätte wie die Hörerschar in Geistingen. Doch nicht nur die Hommage auf den antiken Sänger und Dichter aus der griechischen Mythologie geriet köstlich, sondern auch das rhythmisch und harmonisch knifflige Trinklied verlangte eine eindeutige Diktion und einen klaren und hellwachen Duktus. Doch der seltene Trinkruf und die weiteren Liedsätze waren sehr gut einstudiert und wurden mehr oder weniger ohne Notenblätter interpretiert. Auch bei den a-cappella-Liedsätzen präsentierten sich die Sänger mit dem rechten Stimmgefühl und beherzigten in überzeugender Weise die Vorgaben des Chorleiters. Das hatte sie bereits bei der musikalischen Gestaltung der Messe im gut besuchten Lichthof getan, wobei ihnen die ausgezeichnete Akustik wirklich entgegenkam. So konnten die Heimbewohner, deren Angehörigen und die Gäste über geistliche a-cappella-Liedsätze und vom Chorleiter selbst am Klavier  begleitete Chorsätze freuen.

Das traf ganz besonders auf ein sanft und innig gesungenes Alleluja und einen wohlklingenden Pfingstgesang zu. Daran konnte man die Intention des Dirigenten nicht nur spüren, sondern noch mehr hören. Jedes Lied hat eine eigene Seele, die es zu entdecken und zu beschwören gilt, was die Sänger in vorzüglicher Manier taten. Sie trafen die Herzen und versenkten sich in die Seelen der Gemeinde, die andächtig lauschte. Das geschah auch bei dem von einem feinen Melos geprägten Lied, das Marcel Raimund Engels als eine inspirierte Meditation während der Kommunion geradezu zelebrierte. Auch bei der Begleitung der Kirchenlieder konnte man dessen sorgfältigen Habitus geniessen. Pfarrer Leo Vetter-Diez betonte in der Predigt an die seligmachende Kraft des Glaubens, ehe Einrichtungsleiterin Adelheid Paas und Pflegedienstleiterin Josefine Vieten die Fürbitten sprachen. Das wiederum vorzüglich organisierte und betreute Helenenfest, dem der Hennefer Bürgermeister Klaus Pipke und Pfarrer Hans-Josef Lahr ihre Aufwartung machten, lebte von der vorbildlichen Bewirtung und Beköstigung. Die Band „Comeback“ sorgte für eine breite und gekonnte Palette an Melodien und Klängen für beste musikalische Unterhaltung, während sich die Kinder schminken liessen, viele der Gäste die reichhhaltige Tombola umlagerten und die „Kölner Klinikclowns“ ihre Spässe trieben.    

Walter Dohr

 

Auf den berühmten Punkt gebracht!

Zum Ausklang der Messe am vierten Feriensonntag faszinierte Kantor an St. Simon und Judas und Regionalkantor, Norbert Schmitz-Witter, einmal mehr mit seinem Orgelspiel. Das veranlasste Pfarrer Hans-Josef Lahr anschliessend unter vier Augen zum treffenden Kommentar, dass dem glänzend aufgelegten und inspirierten Organisten nach dem verdienten Urlaub wohl buchstäblich die Orgel gefehlt habe! Damit brachte der Geistliche, der zuvor die Messe zelebriert hatte, das Ganze auf den berühmten Punkt. In der Messe betonte der musikliebende Pfarrer, dass man die Gegenwart Gottes und dessen innere Geborgenheit sicherlich in der Stille der Kirche und in der Natur finde und weniger in der lauten und lärmenden Welt. Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry hat das wohl mit seinem Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ gemeint; ebenso wie es Händel mit „Meine Seele hört im Sehen“ überschriebenen in einer der neuen „Deutschen Arien“ besingt. Leider hört man die barocken und schlicht anmutenden Arien für Solostimme, Melodieinstrument und Generalbaß leider zu selten. Es sind wahrlich musikalische Schmuckstücke, die sich quasi in der Seele des aufmerksamen Hörers spiegeln. Jedenfalls sprach der Zelebrant der Gemeinde aus der Seele, indem er in beredten Worten die Existenz des Schöpfers beschwor und den Gläubigen die bewusste Suche des Heilands ans Herz legte. Denn nur die gefühlte Nähe Gottes kann den Menschen letztlich beglücken!

Der versierte und erfahrene Kirchenmusiker tat dies auf der geliebten Rieger-Orgel, deren Restaurierung und Einweihung er vor mehr als einem Jahrzehnt er wohl als einen seiner glücklichsten Augenblicke er in seinem musikerfüllten Leben geniessen konnte. Ein wirklich tiefen Eindruck hinterlassen immer wieder die  Orgelkonzerte, die Norbert Schmitz-Witter auf der überaus repräsentativen Rieger-Orgel (einer der beeindruckendsten Orgel über die hiesige Region hinaus) selbst inszeniert und die der ausgesuchten und namhaften Orgelinterpreten aus dem In- und Ausland. Der stilbewusste und stilverständige Organist und Orgelinterpret hat schon vor Jahren erkannt, dass er die klanglich imposante und imponierende Rieger-Orgel wie einen Schatz hüten müsse. So hat er alles unternommen, um diejenigen zu überzeugen, die bei Realisierung des Vorhabens ein gewichtiges Wort mitzureden hatten. Die Mühe hat sich ausgezahlt und so darf der rührige Kirchenmusiker seine verdienten Früchte ernten. Daher darf man den einleitenden Worten des Hennefer Geistlichen durchaus Glauben schenken, dass es Norbert Schmitz-Witter nach den Urlaubstagen auf die Orgelempore zog und er mit einem hörbaren Hochgefühl die Orgelregister ziehen konnte und mit Händen und Füßen die Rieger-Orgel wiederum zum mäjestätischen Klingen und Schwingen brachte!  

 

Walter Dohr    

 

 

 

Gedenkmesse H. G. Hardt - Das hätte auch dem Mäzen gefallen

 

Bei schlichten Liedsätzen zeigt sich am besten, ob man gehaltvoll, sensibel, kultiviert und konzentriert singen kann und dies auch tut! Das beste Beispiel dafür war die musikalische Gestaltung der Vorabendmesse und des Sechswochenamtes für den verstorbenen langjährigen Mäzen und Protektor des traditionellen und hellwachen MGV Geistingen, Hans Günter Hardt, dem das gesangliche Gebaren der Sänger auf der Orgelbühne der Pfarrkirche St. Michael in Geistingen wohl von ganzem Herzen gefallen hätte. Beim wirklich gelungenen Auftritt der Sänger spielte es eigentlich keine besondere Rolle, dass doch eine Anzahl von Singstimmen verhindert war. Unter der bewährten und sorgfältigen Leitung des Vizedirigenten Erich Schmitz wusste man das stimmlich durchaus zu kompensieren. Der besagte Vertreter von Chorleiter Pavel Brochin (der mit Erich Schmitz mehr als zufrieden sein konnte), konzentrierte sich als Chortenor diesmal nicht auf das Singen, sondern auf die differenzierte Ausgestaltung der stimmbewusst interpretierten Chorwerke und Liedsätze. Zum Auftakt intonierte man die vom Kölner Komponisten Willy Trapp vertonte Hymne „Lobt den Herrn der Welt“, die von Kirchenmusiker Dr. Dietmar Hofmann mit sinnfällig registrierten Orgelklängen begleitet und dadurch musikalisch bereichert wurde.

Er griff zudem zur Kommunion und zum Ausklang Liedthemen des Männerchores auf und zeigte dabei sein ausgeprägtes Gespür zur Orgelimprovisation! Das allzu vertraute „Sanctus“ aus Schubert´s „Deutscher Messe“ geriet wegen seiner durchdachten und damit erquickenden Gestaltung zu einer echten Entdeckung, wie man sie gewiss nicht alle Tage hört. Das trifft ebenfalls auf den gebethaften Glaubensruf „Gott nur allein“ aus der Notenfeder von Gotthilf Fischer und die „Irischen Segenswünsche“ zu, bei dem ein Abschiedslied für Mönche Pate gestanden hat. Erich Schmitz und seine stimmlich wohl disponierten Sänger behandelten dieses berührende Lied wie ein Kleinod und versenkten sich ganz bewusst in die Seele dieser wunderschönen Weise. Auch ihr war anzuhören, dass zur glaubhaften Interpretation die Seele des Chorliedes ergründen muss.

Da haben die Sänger ihrem Chorleiter Pavel Brochin wohl gut zugehört und befolgten dies ebenfalls beim Dirigat von Erich Schmitz, der seine Sache bravourös machte. Da beisst nun einmal keine Maus den Faden ab! Pfarrvikar Wolfgang Rick hatte in seiner Begrüssung auf das Gotteslob in der erwähnten Hymne (die man oft als „Trumpet tune“ irrtümlicher Weise Henry Purcell und nicht Jeremiah Clarke zuordnet) hingewiesen, während Diakon Hansjörg Kraus in seiner Predigt bekräftigte, die Gottesnähe durch das Gebet und in der Bibel zu suchen. Damit komme man wieder zur Ruhe und zu sich selbst! Der im Alter von 94 Jahren verstorbene und in Bonn geborene Politiker, CDU-Landtagsabgeordneter und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, Hans Günter Hardt, hat an der Bonner Universität Philosophie und Politik studiert und gehörte auch dem Hennefer Stadtrat und dem Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises an. Ausserdem wirkte er in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen und sorgte in vorbildlicher Weise für das Gemeinwohl!

Walter Dohr    

 

 

 

Wir müssen lernen Freude zu schenken

Einer der sechs indischen Priester, die dem „Orden der Unbeschuhten Karmeliten“ angehören und im Jugendgästehaus der historischen Benediktiber-Abtei auf dem Siegburger Michaelsberg untergebracht sind, feierte am ersten Julisonntag mit der Gemeinde in der Pfarrkirche St. Michael in Geistingen eine Familienmesse, die gemeinsam vom Familienchor und katholischen Familienzentrum St. Michael und St. Simon und Judas mitgestaltet wurde. Der indische Priester und seine Mitbrüder stammen aus der indischen Provinz Manjummel (südwestlicher Bundesstaat Kerala) und so war es nicht verwunderlich, dass der Zelebrant mit den Kindern über seine Heimat, die Hitze und den Monsun (der immer wieder für sekr viel Regen sorgt) plauderte. Er vertiefte in diesem munteren Zwiegespräch die Freude und den Sinn der Sommerferien und erinnerte daran, auch im Urlaub in der Natur die Allmacht Gottes zu erkennen sei! So wäre der eindrucksvolle Michaelsberg inmitten der Kreisstadt ein solches Wunder. Darüber hinaus verwies er auf das erste der zehn Gebote „Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“, um die Allmacht Gottes zu betonen. Zuvor hatten einige Kinder eine Geschichte gespielt, bei der eine Frau sehnsüchtig auf Jesus wartete, der sie besuchen wollte. Doch nicht der Heiland erschien, sondern eine Bettlerin und ein alter Mann, die um eine milde Gabe baten. Sie wurden aber beide recht barsch der Tür verwiesen, während die Frau weiterhin Ausschau auf ihren göttlichen Gast harrte. Doch der bereits in Gestalt der beiden bettelnden Menschen bei ihr gewesen, ohne dass sie es im geringsten ahnte.

Der Priester lobte die jauchzenden Töne und Texte der Gesänge, die die Leiterin des Familienchores, Ulla Mertens, ausgesucht und sorgfältig mit den Singstimmen einstudiert hatte und die gemeinsam mit der Gemeinde intoniert wurden. In den Liedern wurde der glaubensfrohe Duktus beschworen und die Freude über die Herrlichkeit in recht vielfältiger und sinnfälliger Weise apostrophiert! Für weiter musikalische Akzente sorgten Angelika Rönn-Rieck (Gitarre) und Mitsänger Thomas Maucher (Trompete) und gaben den Gesängen eine klangschöne Note. Die Gesänge waren sozusagen zu einer Kantate von Ulla Mertens abgefasst worden und hatten fürwahr den Charakter einer liebenswerten und freudespendenden Liedmesse. So konnte man im Wechselgesang von Frauen und Männern im Eingangslied „Voller Freude, Herr“ und im Gloria „Wenn wir wandern auf unseren Wegen“ deutlich den Jubel verspüren, den die heilbringende und beglückende Gegenwart Gott auf alle ausübt, die an ihn glauben. Ein wunderschönes Beispiel dafür war auch der Antwortgesang „Wir müssen lernen zu lachen, Freude zu schenken, Liebe weiterzugeben“. Eine wirklich treffliche und ausdrucksbetont arrangierte und gesungene Glaubens- und Lebensformel. Das gilt ebenso für das Gabenbereitungslied „Jubeln woll´n wir und deiner uns freu´n“ und den Friedengruss „Wir geben uns ein Zeichen des Friedens“.    

 

Walter Dohr

Ein wahres Füllhorn an inspirierten Orgelklängen

Bei der Begrüssung zum Orgelkonzert am dritten Junisonntag in der Hennefer Stadtpfarrkirche St. Simon und Judas lobte Pfarrvikar Wolfgang Rick ausdrücklich das höchst ambitionierte Programm von ausgesuchten Orgelwerken und die Rieger-Orgel, die für diese grossartige Palette an Orgelklängen wie geschaffen ist. Ob man dem Wiener Konzertorganisten und Orgelprofessor Wolfgang Capek (1956) ins Ohr geflüstert hat, dass sich an der Sieg eine Orgel befände, die ein faszinierendes Spektrum an Klangkombinationen und Registrierungen gestatte, soll an dieser Stelle nicht besonders vertieft. Doch Spass beiseite! Die Rieger-Orgel, die in Vorarlberg ihre künstlerische und handwerkliche Heimstätte hat, ist in unserer Region geradezu ohne Konkurrenz. Und so genoss die Hennefer „Königin der Instrumente“ bei der Orgelvesper am Ostersonntag durch den Münchener Orgelkünstler und Orgelpädagogen Prof. Bernhard Haas und nun durch den Wiener Orgelmeister die gebührende Wertschätzung. Diese gipfelte darin, dass ein überraschter Regionalkantor Norbert Schmitz-Witter seinen Tontechniker bitten musste, damit dass das äusserst beeindruckende Orgelkonzert eingespielt werden konnte. Damit folgte der Hennefer Kirchenmusiker (Initiator und Organisator der Orgelkonzerte und Kirchenmusiken an St. Simon und Judas) dem Wunsch des österreichischen Orgelinterpreten. Dieser hat offensichtlich die weite Reise von der Donau an die Sieg nicht bereut. Das zeigte letztlich die Geste von Prof. Wolfgang Capek zur Rieger-Orgel nach dem meisterlich geglückten „Finale aus der 5. Orgelsinfonie op. 59“ aus der Feder von Louis Vierne (1879-1937), während sich die Besucher erhoben und ganz begeistert Beifall spendeten.

Herolde der französischen Orgelzunft

Norbert Schmitz-Witter hatte die Werke auf dem Programmzettel in kompetenter und instruktiver Weise erläutert. So brach er zurecht eine Lanze für Max Reger (1873-1916), der zu Lebzeiten wegen seiner komplexen Tonstrukturen unberechtigt angefeindet wurde, Doch die Musikgeschichte habe Reger längst zum bedeutendsten Orgelkomponisten der Spätromantik ausgerufen, der harmonisch, kontrapunktisch und spieltechnisch neue und innovative Wege beschritten hat. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die von Prof. Wolfgang Capek in vorbildlicher und mustergültiger Manier interpretierte Choralfantasie über „Ein feste Burg ist unser Gott“ op. 27, die markante tonmalerische und überwältigende konstratierende Züge hat, die sich in „Und wenn die Welt voll Teufel wär“ Bahn brechen und zum verblüffenden Stimmenknäuel werden, den der Organist ganz ohne Mühen entwirrte. Dieser präsentierte die Hommage an den Reformator Martin Luther, der im Jahre 1517 nicht nur die berühmten 95 Thesen am Portal der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen, sondern ebenfalls Kirchenlieder geschrieben sowie die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt hat. Danach begegnete der hellwache Orgelinterpret den inspirierenden und inspirierten Orgelstücke der Herolde der französischen Orgelzunft Eugène Gigout (1844-1925), Marcel Dupré (1886-1971), Jean Langlais (1907-1991) und Louis Vierne (1870-1937) mit einem ausserordentlichen klanglichen und rhythmischen Gespür. Man hatte förmlich den Eindruck, dass er sich auf Anhieb in die Rieger-Orgel vernarrt hatte und darum alles tat, um die Wesenszüge der Orgelstücke mit möglichst viel musikalischem Atem zu erfüllen. Mit anderen Worten: Die Orgelwerke atmeten den kompositorischen Geist und die Orgel atmete diesen stets mit!

Echtes Kaleidoskop an Orgelklängen

 

Eugène Gigout, der Lieblingsschüler von Camille Saint-Saens, hat in seinen Orgelstücken „Cantilène“ und „Scherzo“ seine Tonkunst beschworen. Während der Komponist in der „Catilène“ einen transparenten und romantisch eingefärbten Stil pflegt, hat er sich im „Scherzo“ für den musikalischen Dialog zweier Klanggruppen entschieden. Die 2. Sinfonie in cis-moll, op. 26 von Marcel Dupré muss als ein subtiles und einfallsreiches Orgelwerk titulieren, dass dem Gestalter vieles in harmonischer, rhythmischer und klanglicher Hinsicht abverlangt. Doch diese Sinfonie, die bei den gemeisselten Akkorden im „Preludio“ an das einzigartige Wunderwerk „Kreuzweg“ op. 29 erinnert, war bei dem Konzertorganisten wortwörtlich in den allerbesten Händen. Dagegen íst die wirklich meditativ anmutende „Cantilene“ aus der Suite „Suite brève“ von Jean Langlais ein wunderschönes Exempel für die ausgetüftelte Improvisationskunst des französischen Komponisten, der Organist und Nachfolger von Cesar Franck in der Ste. Clotilde-Basilika in Paris gewesen ist und gemeinsam mit Olivier Messiaen als bedeutsamer Erneuerer der französischen Orgelmusik des 20. Jahrhunderts gilt. Das Madrigal aus „24 pièces en style libre“ op. 31 von Louis Vierne, der in den Jahren von 1900 bis 1937 Kathedralorganist an Notre-Dame in Paris wirkte, stellt ein schlicht-verträumtes Orgelstück dar. Vierne verkörpert die spätromantisch-impressionistische Stilepoche in der Orgelkunst, die über das kompositorische Schaffen von Charles-Marie Widor hinausgeht. Ein vorzügliches Beispiel dafür ist die 6. Orgelsinfonie, die durch ihre orchestrale Klangfülle besticht. Dem Orgelkünstler aus Wien gebührt allerhöchster Respekt für die meisterhaft bewältigte Mammutaufgabe, die bis in die exponierten Orgelhöhen führte und einen Fundus offenbarte, die gewiss nicht alltäglich ist! 

 

Walter Dohr

 

 

Festmesse an Pfingsten 2017

Vom rechten Geist erfüllt

Die musikalische Gestaltung des festlichen Hochamtes in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas lag einmal mehr in den bewährten Händen des Kantors Norbert Schmitz-Witter und des Kirchenchores St. Simon und Judas Hennef, der im nächsten Jahr das stolze 125-jährige Jubiläum feiert. Wie doch die Zeit vergeht: Im Jahr 1993 feierte der langjährige und versierte Kirchenmusiker mit den engagierten Sängerinnen und Sänger das 100-jährige Chorbestehen und führte die unsterbliche Johannes-Passion von Joh. S. Bach in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas und in der Kölner Basilika St. Mariä Himmelfahrt auf. Zu jener Zeit Präses, Pfarrer und Kreisdechant Johannes Kolfenbach das priesterliche Amt inne und der Kirchenchor an St. Simon und Judas hatte inzwischen einen vielversprechenden Weg in der musica sacra eingeschlagen, der ganz entscheidend von Regionalkantor Norbert Schmitz-Witter gefördert und bewältigt wurde. Eines der letzten musikalischen Glanzlichter war gewiss die letztjährige in den höchsten Tönen (im wahrsten Sinne des Wortes) bejubelte Aufführung des „Elias-Oratorium“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

 Doch solche Dinge fallen niemand in den Schoss; man muss beim Singen stets mit dem rechten musikalischen Geist erfüllt sein!   Das konnte man auch bei der musikalischen Gestaltung der Festmesse am Pfingstsonntag von ersten Ton an spüren. Gemeint ist damit die herrliche Motette „Exultate, jubilate“ von Alessandro Scarlatti (1660-1725), der beneidenswert jungen und älteren Singstimmen mit ausgesprochener Stilkunst und stimmlicher Präsenz begegneten! Diese kunstvolle Motette assoziiert man ganz unwillkürlich mit der meisterlichen Satzkunst von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594). Dessen schaffensfrohe und musikhistorische Werk bekanntlich in der berühmten „Missa Papae Marcelli“ gipfelt. Gewiss wäre dieses Ewigkeitswerk bestens geeignet, es im erwähnten Jubiläumsjahr zu erarbeiten und aufzuführen. Doch wie gesagt es ist nur eine Assoziation! Nicht mehr! Der Kantor, der mit seinen Sängerinnen und Sängern wahrlich viel erreicht hat und dabei immer wieder Kompetenz und Hingabe walten lässt, hatte mit „Factus est repente“ von Gregor Aichinger (1564-1628), der Psalmvertonung „Meine Seele ist stille zu Gott“ von Moritz Hauptmann (1792-1868) und Pfingstkanons von Johannes Schweitzer (1831-1882) weitere sinnfällige Chorkompositionen ausgesucht.

Die Pfingstkanons, durch Alleluja-Rufe der Gemeinde zäsiert, betonten ebenfalls den rechten Geist, der die Kirche ebenso erfüllte wie die hymnischen Kirchen- und Pfingstgesänge aus dem „Neuen Gotteslob“, die eine schöne Symbiose von Chor- und Gemeindestimmen bildeten. Pfarrer Hans-Josef Lahr, der mit Pfarrvikar Wolfgang Rick das Festhochamt zelebrierte vertiefte in der Predigt den liturgischen Sinn des Heiligen Geistes, der den Lebensatem zum Glauben gebe ein unbegreifliches, aber durch  und durch erfüllendes Wesen in einer Welt sei, der es an Liebe und Frieden fehle! Vom rechte Geist erfüllt war auch sicherlich Susanne Dubova, die von Freunden und der Familie begleitet, von Pfarrer Lahr die Sakramente der Taufe und der Firmung erhielt. Sie hatte sich den Taufnamen „Angelika“ ausgesucht, der von dem Begriff „Engel“ abgeleitet ist und die Menschen beschützt. Bei der eindrucksvollen Zeremonie intonierten Pfarrer, Chor und Gemeinde die Heiligen-Litanei.

Walter Dohr

Orgelvesper am Ostersonntag

Bach ganz zurecht in den Fokus gerückt

 

In der Orgelvesper, die die Reihe der Kirchen- und Orgelkonzerte des Regionalkantors und Hennefer Kantors an der Pfarrkirche St. Simon und Judas, Norbert Schmitz-Witter, am Nachmittag des Ostersonntags auf wunderschöne und instruktive Weise fortsetzte, rückte der namhafte Konzertorganist und Orgelprofessor an der Münchener Musikhochschule, Prof. Bernhard Haas den grossen barocken Orgelmeister Johann Sebastian Bach ganz zurecht in den musikalischen Fokus. Dieser unsterbliche Komponist ist und bleibt der wahre Prüfstein für alle, die der Orgelkunst des alten Meisters in besonderer Weise verbunden sind. Pfarrer Hans-Josef Lahr, der mit seinem Mitbruder, Pfarrer Wolfgang Rick, den liturgischen Teil der gelungenen Orgelvesper übernommen hatte, machte bei der Begrüssung deutlich, dass man mit dieser besonderen Vesper die österliche Stimmung beschwören und einfangen wolle. Das tat der inspirierte und beseelte Orgelinterpret wortwörtlich mit jeder Faser seines Herzens. So breitete sich die Toccata da Sonarsi alla Leuatione in e-moll von Johann Jacob Froberger (1616-1667) im Gemüt aus und schmeichelte sich mit ihren Verzierungen und feingliedrigen Figurationen in die Seele.

Man kann besonders in den Toccaten von Froberger den kompositorischen Einfluss dessen Lehrers Frescobaldi spüren. Dabei sollte man erwähnen, dass selbst Buxtehude und Pachelbel von der Satzkunst Frobergers angetan waren. Auch den Schübler-Chorälen „Meine Seele erhebet den Herrn“ (BWV 648), „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ (BWV 649) und „Komm du nun, Jesu, vom Himmel herunter“ (BWV 650) von Joh. S. Bach war ganz deutlich anzuhören, dass sie eine wahre Wohltat sind, wenn sie denn mit dem rechten Stilgefühl und Stilverständnis interpretiert werden. Sie sind  bekanntlich Transskriptionen von Bach´schen Kantatensätzen. Prof. Haas liess die wunderbaren Orgelchoräle erblühen und zeigte dabei ein ausgeprägtes Gespür für den Duktus dieser verschiedenartigen Kompositionen, bei der sich Bach wahrlich in die Seele blicken lässt. Damit bescherte er der Gemeinde eine religiöse Versenkung, die auf höchst virtuose Weise von den gipfelstürmenden und exponierten Bachwerken „Fuga sopra Magnificat“ (BWV 733) und „Präludium und Fuge e-moll (BWV 548) noch erheblich gesteigert wurde.

Als junger Gipfelstürmer hat sich der Orgelprofessor mit grossen Orgelwerken von Reger und Liszt gemessen und ist daran so gereift, dass er längst den höchsten Orgelgipfel bestiegen hat. Sein Vater, der mit in den Kirchenbänken saß und ganz gewiss seinem Sohn so fasziniert wie die Gemeinde zuhörte, konnte mit gutem Gewissen in den anhaltenden Schlussbeifall einstimmen. Doch davor hörte man das  experimentierfreudige „On Sixths“ aus „Interval studies“, das im Jahre 1948 von Stefan Wolpe (1902-1972) vertont worden ist. Obwohl das ungewöhnliche Orgelstück kompositorisch nur Sexten verwendet und nur von Konsonanzen (auf Dissonanzen hat der Komponist bewusst verzichtet) geprägt ist, klingt es (so der Organist von der Orgelempore) keineswegs „altmodisch“. Das dürfte wohl eher für die Orgelfassung von Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52 in E-Dur von Robert Schumann (1810-1856) gelten, die den Organisten als einen wirklich kreativen und pointieren Gestalter und Arrangeur ausweisen. Das Scherzo ist beispielsweise eine musikalische Offenbarung! Die Gemeinde wurde bei einigen Auferstehungsliedern in die Orgelvesper stimmlich integriert, ehe Pfarrer Hans-Josef Lahr den sakramentalen Segen spendete.  

Walter Dohr    

Diffizile Messe von Vierne aufgeführt

Ostersonntag 16.April 2017

 

Vielleicht hat sich der engagierte Kantor Norbert Schmitz-Witter vor sieben Jahren von den mehr als zwei Dutzend ausgezeichneten Singstimmen des „Queen´s College Chapel Choir“ inspirieren lassen, die vom französischen Organisten und Pianisten Louis Vierne (1870-1937) im Jahre 1900 vertonte „Messe solenelle“ (op. 16) für cis-moll für Chor und zwei Orgeln zur festlichen Ostermesse in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas einzustudieren und aufzuführen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass der nahezu 30 Jahre vor seinem Tod völlig erblindete Komponist ein sehr persönliches Testament hinterlassen hat. Demnach sollte die Orgel in der Pariser Kathedrale Notre-Dame beim Trauergottesdienst von Vierne schweigen und schwarz verhüllt werden; nur gregorianischer Gesang sollte intoniert werden. Auf dem Friedhof Montparnasse ruhen in der Nähe des Verstorbenen dessen Freunde César Franck, Alexandre Guilmant, Camille Saint-Saens und Vincent d´Indy, die allesamt Musikgeschichte geschrieben haben!

An der Orgelbank der in unserer Region so oft gepriesenen Rieger-Orgel hatte sich kein Geringerer als Prof. Bernhard Haas (internationaler Konzertorganist und Orgelprofessor an der Münchener Musikhochule und damit Nachfolger von Edgar Krapp) in Positur gesetzt, um die wirklich diffizile Messe zu begleiten. Der überaus renommierte Orgelinterpret, der ebenfalls die Rieger-Orgel und deren Klangkombinationen lobte, zeigte in den Orgelsätzen der harmonisch verzwickten Messe (in der die Stimmregister immer wieder gefährlich offen liegen) ein besonderes Gespür für die Ausdruckskraft der Messe, bei der die Orgel wortwörtlich ein gewichtiges Wort mitzureden hat! Das wussten der Chorleiter und der Organist gleichermassen, und so geriet deren Interpration sozusagen wie aus einem Guss. Auch bei den Vorspielen zu den österlichen Gemeindeliedern zeigte der Orgelprofessor sinnfällige und inspirierte Orgelmanieren. Der Kirchenchor an St. Simon und Judas Hennef liess sich bei der Messe und der Schlussfuge „Herr unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name in allen Landen“ aus dem Elias-Oratorium von Felix Mendelsohn-Bartholdy (hierbei hatte der Organist quasi auf der Orgel den Orchesterpart übernommen) sicher und hellwach über alle stimmlichen Hürden führen.

In der von Pfarrern Hans-Josef Lahr und Wolfgang Rick zelebrierten feierlichen Messe, bei der der wunderschöne geschmückte Altar als wahrer Blickfang auf die Gemeinde wirkte, stimmte der Kantor vor den Altarstufen das Taizélied „Surrxit Dominus vere“ (Der Herr ist wahrhaft auferstanden) von Jacques Berthier als Jubelkanon und Alleluja-Ruf für Chor, Gemeinde und Orgel an. Die Choralschola an St. Simon und Judas liess im Wechselgesang mit der Gemeinde das lateinische Credo aus dem „Gottelob“ erklingen. In der Predigt erinnerte Hans-Josef Lahr an den 90. Geburtstag (am 16. April 1927 in Marktl am Inn geboren) des emerierten Papstes Benedikt XVI. (Amtsverzicht im Jahre 2005) und vertiefte die Sinnhaftigkeit von Leben und Tod, ehe er sich einer gezielten und glaubwürdigen Betrachtung des historischen „Antlitz Christo auf dem Tuch von Manoppello“ widmete. Er hatte dieses geschichtsträchtige Tuch als Osterbild mit einer Botschaft des erwähnten Papstes für die diesjährige Osterkommunion ausgesucht.

Walter Dohr

 

Vom Tod zum Leben

„Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen“ läst sich bei Johannes nachlesen und kündet vom göttlichen Bekenntnis zu den Menschen, an das dieser glauben, um das ewige Leben zu erlangen. Pfarrer Hans-Josef Lahr, der mit seinem indischen Mitbruder und der Gemeinde an die Todessstunde am Karfreitag in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas erinnerte, vertiefte das biblische Geschehen in der Predigt. Das tat er mit Ausdruckskraft und liturgischer Überzeugung, nachdem er, Ulla Mertens und Tosten Welsch, die Leidensgeschichte auf ganz beeindruckende Weise vor dem geistigen Auge lebendig werden liessen. Der Pfarrer erzählte von einem verängstigten Menschen, der sich vor seinem eigenen Schatten fürchtete und vor dem er so lange floh, bis er sich selbst zu Tode gehetzt hatte. Dabei hätte er nur den Schatten eines Baumes (oder besser noch den Schatten des Kreuzesstammes) aufsuchen müssen, um Geborgenheit und Zuversicht zu finden.

Die Geschichte war sozusagen das Gleichnis für den Menschen, immer den göttlichen Schutz zu suchen. Das alles gipfelte im Kreuzruf „Ecce lignum crucis“ (seht das Holz des Kreuzes), dass im Wechsel von Gemeinde und der Choralschola an St. Simon und Judas Hennef angestimmt wurde. Die Geistlichen und Ministranten zogen unterdessen in einer Prozession durch das Gotteshaus, wobei das Kreuz als sichtbares Symbol des Glaubens enthüllt wurde. Unter der bwährten Leitung von Kantor Norbert Schmitz-Witter intonierten die stimmbewussten Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores an St. Simon und Judas Hennef sorgfältige Chorwerke von Joh. S. Bach, aus dem Elias-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Clemens non Papa sowie Gesänge aus dem burgundischen Taizé. Einmal mehr beherrschte der Kirchenchor das Gesungene, dass das liturgische Geschehen sehr sinnfällig und ausdrucksvoll musikalisch apostrophierte, auf  vorbildliche und wirkliche respektable Weise.

Walter Dohr

 

Kapelle im Helenenstift Geistingen
Kapelle im Helenenstift Geistingen

Wie ein wohlgestimmtes Instrument

Am Passionssonntag im Jahre 2017 trat das Kölner Vokalensemble „Capella Trium Regum“ musikalisch in der Messe in der Kapelle des Altenzentrums „Helenenstift“ in Geistingen in Erscheinung. Das höchst ambitionierte Ensemble rekrutiert sich aus Männerstimmen des Kölner Domchores, der von Domkapellmeister Prof. Eberhard Metternich dirigiert wird. Die Leitung des besagten Vokalensembles liegt in den Händen von Benedict Nagel und Dominik Ordon, dessen Eltern Brigitte und Helmut Ordon, ebenfalls in der von Monsignore Robert Kreuzberg zelebrierten Messe in der Fastenzeit weilten. Der Zelebrant begrüsste und lobte die ganz vorzüglichen Sänger und betonte, dass in der ausgesuchten Kirchenmusik mehrerer Jahrhunderte und deren beseelten und beseligenden Interpretation der überzeugte Glaube an die nahende Auferstehung des Gottessohn lebendig werde. Das gipfelte in den Worten des Geistlichen, dass man beim Singen alles tun müsse, um die Herzen aufgehen lassen. Das tat das Ensemble, das bei den Kirchenliedern und dem in deutscher Sprache intonierten Glaubensbekenntnis und als wirklich stimmige Choralschola fungierte und mit der Gemeinde gemeinsam in das Gotteslob einstimmte.

Tiefempfundener Ausdruck
Dass das Vokalensemble jeden Auftritt und jedes Konzert ernst nimmt und immer wieder als ein neues Erlebnis erfährt, zeigte das sehr sorgfältige und einstündige Einsingen (!) in der ehemaligen Krankenhauskapelle, die den begeisternden Stimmen mit ihrer Akustik wahrlich entgegenkommt. In einer solchen Atmosphäre wird der Chorgesang für Chor und Gemeinde zu einem tiefempfundenen Ausdruck. Mit dem Kanon „Salvator mundi, salva nos“ (Heiland der Welt, errette uns) auf den Lippen schritten die Sänger würdig durch die Kapelle und vertieften damit die glaubensfrohe Gewissheit, dass uns der Herr durch sein Kreuz und Blut erlöst hat. Danach interpretierte man neben der Truhenorgel das „Glory to thee, my God this night“ (Nun jauchzet dem Herren alle Welt). Das Ensemble tat auch dies mit perfekter und inspirierter Attitüde und einem vorbildlich austarierten und perfekten Stimmklang, über den sich der altenglische Komponist Thomas Tallis (1505-1585) wohl von Herzen gefreut hätte. Zumal das wunderschön vertonte und aufgeführte „If ye love me“ ebenso aus der Notenfeder des englischen Komponisten stammte.

Mit derselben meisterlichen Intensität, Intonationssicherheit und Diktion zelebrierte man die „Studentenmesse“ des venezianischen Komponisten Antonio di Lotti (1667-1736), der ebenfalls ein Meister der altklassischen Vokalpolyphonie gewesen ist. Bei der Interpretation der Messe darf man sich nicht den kleinsten Ausrutscher erlauben, weil man sich sonst ganz leicht in dem ausgekügelten Stimmennetz verfängt. Doch da brauchte man nicht zu bangen, das die hellwachen Vokalisten die Messe wahrlich und wahrhaftig verinnerlicht hatten. Dadurch trafen sie unmittelbar in die Seelen hinein und betonten damit ganz besonders das liturgische Ansinnen des Passionssonntags.

Faszinierendes Ave Maria
Beste Indizien waren dafür ebenso das „Ubi Caritas“ (Wo die Liebe), bei der die zeitgenössische amerikanische Komponistin Audrey Synder die Gregorianik aufgreift und mit heutigen Ohren aushorcht. Eine wundervolle Inspiration! Wie auch das vielstimmige und faszinierende „Ave Maria“ des süddeutschen Komponisten Franz Biebl (1906-2001), bei dessen Intonation sich ein Soloterzett des Kölner Vokalensembles vor der Apsis der Kapelle postierte. Das Lied ist ein beredtes musikalisches Zeugnis dafür, dass die Liebe zur Gottesmutter in der angestammten Heimat Biebl´s bis auf den heutigen geblieben ist. Ein dreifacher Amenruf des Kölner Domkantors und Leiters des renommierten Mädchenchores am Kölner Dom, Oliver Sperling, ergänzte die Vokalkompositionen. Justin Weissenfels begleitete Chor und Gemeinde gekonnt auf der Orgel und liess beim Auszug aus der Kapelle ganz stilverständig den seraphischen D-Dur-Kanon von Johann Pachelbel (1653-1706) erklingen.

Walter Dohr  

 

Trilogie zur Passion und Fastenzeit

 

 

Man mag es kaum glauben, dass der höchst ambitionierte Kammerchor „Forum Vocale“ Sankt Augustin im Jahre 2013 (!) von Chorleiter Georg Bours gegründet und geleitet wird. Er dirigiert ausserdem den renommierten Kammerchor des Rhein-Sieg-Gymnasiums in Sankt Augustin und bringt bei der beispielhaften chorpädagogischen Arbeit seine grosse Erfahrung mit a-cappella-Chören mit, die sich wirklich ausgezeichnet und höchst repräsentabel mit seiner bevorzugten Ausarbeitung der Klangspezifik der verschiedenen Musikepochen (vornehmlich mit dem Schwerpunkt auf der geistlichen und weltlichen Chormusik des 16. Bis. 20. Jahrhunderts) auf ganz interessante und innovative Weise paart. Man könnte ihn damit in einem Atemzug mit den Dirigenten Hellmuth Rilling aus Stuttgart und Nikolaus Harnoncourt aus Wien nennen. Nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass Georg Bours nicht nur die alten Meister in seiner imponierenden Manier dabei im Auge hat, sondern die seltener zu hörenden Chorkompositionen aller Stilepochen seiner eher stilbewussteren interpretatorischen Betrachtung unterzieht. Zudem liegt ihm die stimmliche Herausforderung und Weiterentwicklung der zwei Dutzend Singstimmen am Herzen.

Inspirierter Kammerchor

Der Hennefer Kantor an St. Simon und Judas und Regionalkantor, Norbert Schmitz-Witter, der dem Konzert am Vorabend des dritten Fastensonntags 2017 in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas beiwohnte, hatte sich wirklich einen inspirierten Kammerchor aus der unmittelbaren Region für die Reihe seiner hochkarätigen Kirchen- und Orgelkonzerte ausgesucht (erinnert sei an die jüngste herrliche Aufführung des Elias-Oratoriums von Felix Mendelssohn-Bartholdy), für den man ihn loben muss. Wenn das nur das Hennefer Publikum noch mehr honorieren würde. Georg Bours hat die diesjährige Triologie der mit „O bone Jesu“ überschriebenen Konzerte zur Passion und Fastenzeit, die Hennef, in der Bonner Kreuzbergkirche und in der Stiftskirche in Bad Münstereifel aufgeführt werden, so konzipiert, dass sie den liturgischen Sinn  der voröstlichen Zeit ganz bewusst vertiefen und die Sinne bis ins Innerste berühren und beflügeln sollen. Das gelang dem künstlerischen Leiter, der mit grossen und beredten Gesten den Kammerchor immer wieder auf sich und seine Intentionen einschwört, und den Protagonisten vor der Apsis sehr eindrucksvoll.

Eindringliche Motetten

Schon die einleitende schlichte und dennoch eindringliche Motette „O bone Jesu“ von Marco Antonio Ingegneri (1547-1592) und eine exquisite fünfstimmige Messe des altenglischen Komponisten William Byrd (1543-1623) zeigten überaus deutlich, mit welcher Intensität der Kammerchor arbeitet und das äusserst sorgfältig Erarbeitete umzusetzen und zu interpretieren versteht. Dieser bravouröse Chor, der in der Tat wie ein wohlgestimmtes Instrument klingt, braucht sich wahrlich nicht vor dem hochgelobten Kammerchor des Philharmonischen Chores Dresden zu verstecken, der sich im Jahre 2016 von der Elbe an die Sieg machte und nicht nur den erwähnten Kantor begeisterte! Die besagte Messe ist ein kompositiorisches Kunstwerk, aber ebenso ein Prüfstein für alle, die sich ernsthaft in die Partituren vertieft und damit den verschlungenen Pfaden folgen muss; ob er nun will oder aber nicht! Doch diese Frage stellt bei dem nervigen und experimentierfreudigen Dirigenten zu keinem Augenblick. Die engagierten Sängerinnen wissen, was sie an ihm und seinem zielstrebigen Wirken haben. Das zeigten auch die musikalischen Kostbarkeiten wie die fünfstimmige Motette „Tristis est anima mea“ von Johann Kuhnau (1660-1722) und das karfreitägliche Stundengebet „Ecce quomodo moritur iustus“ von Jacob Handl (1550-1591) (1660-1722) nach einem Text von Jacobus Gallus vertont.

Schwierige Satzkünste

Mit den geistlichen Gesängen „Resignation“ und „Einklang“ aus der Notenfeder des österreischen Spätromatikers Hugo Wolf (1860-1903) hatte man sich einer weiteren Aufgabe, die viel stimmliches Geschick bei der Auflösung der schwierigen harmonischen Satzkünsten verlangt. Die wurden ganz gewiss und auf höchst dramatische Weise beim in den Jahren 1980 bis 1984 von Krzystof Penderecki (1933) komponierten „Polnischen Requiem“ wahrhaftig auf die Spitze (im wahrsten Sinne des Wortes) getrieben. Der Kammerchor entpuppte sich beim aufgeführten „Agnus Dei“ als echte Gipfelstürmer. Man glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, mit welch einer ausgeprägten Stimmlichkeit und welch unglaublichen Gestaltungskraft man dem liturgischen Friedensruf wortwörtlich zu Leibe rückte. Der polnische Zeitgenosse wäre von der mustergültigen Interpretation (in die sicher auch angesprochenen klangspezifischen Aspekte von Georg Bours eingeflossen sind!) seiner verblüffenden und aberwitzigen Satzkünste beeindruckt gewesen.

Erstaunlich leicht und locker

Aber auch Johann Sebastian Bach (1685-1750) hätte es gefallen, wenn er seine doppelchörige Motette „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229) von J. S. Bach gehört hätte, die von der Empore der Rieger-Orgel aus über die Häupter mit einer erstaunlichen Leichtigkeit und Lockerkeit schwebte. Das barocke Ewigkeitswerk weckte förmlich alle Seelengeister und liess den frommen Lockruf in allen klanglichen Farben leuchten! Sein Anteil daran hatte ganz gewiss der versierte und klangsensible Organist Günter Schürmann, der Schul- und Kirchenmusik (A-Examen) an der Kölner Musikhochschule und Theologie an der Kölner Universität studiert hat und der als Studienrat am Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium in Köln unterrichtet. Ausserdem ist er Organist an St. Aposteln in Köln und wirkt in der Bonner Elisabeth-Gemeinde gemeinsam mit Prof. Dr. Otto Depenheuer und Winfried Krane als Organist und Chorleiter. Er gefiel nicht nur als gestaltungssicherer Chorbegleiter, sondern empfahl sich ausserdem als stilbewusster Orgelinterpret in den Orgelwerken „Herzlich tut mich verlangen“ (op. 122,10) von Johannes Brahms (1833-1897) und in J. S. Bach´s Leipziger Choral „O Lamm Gottes unschuldig“ (BWV 656).

Walter Dohr

Schöne Liedmesse an St. Micheal Geistingen

Es braucht nicht immer eine Klangfülle von 40 oder mehr Sängerinnen und Sängern, um die Gemeinde für das Gotteslob zu begeistern und tief im Innern zu berühren!

Ein solches Exempel statuierte Kirchenmusiker Dr. Dieter Hofmann und die vor vielen Jahren vom tödlich verunglückten Chorleiter und Musikpädagogen des Hennefer Gymnasiums, Wolfgang Hahn, gegründete und geleitete Schola an St. Michael Geistingen.

Wenn auch das schön und differenziert singende Ensemble an die Novelle „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ des Schweizer Dichters Gottfried Keller erinnern mag, so hält man stimmlich dennoch zusammen und bringt eine Menge an Chorerfahrung mit ein. Ein Beispiel dafür sind Peter Madert (Vorsitzender des Kirchenchores an St. Michael) und seine Gattin, die  im Kirchenchor der Geistinger Pfarrkirche und seit ganz vielen Jahren im Madrigalchor der Musikschule der Stadt Hennef ihre Stimmen erheben.

Die Schola gab sich stimmlich ausgewogen und vertiefte sich wirklich hellwach in die ausgesuchten Kirchenlieder aus dem Neuen Gotteslob.

Der Kantor hatte diese Gesänge zu einer schönen Liedmesse verknüpft, wobei er in subtiler Weise die Orgelbegleitung gestaltete. Das alles konnte sich schon hören lassen!

So intonierten die Chorstimmen in der Vorabendmesse des

2. Fastensonntags die Liedgesänge "Aus der Tiefe" zum Kyrie, „Öffne meine Augen“ zum Graduale, „Im Jubel ernten“ zum Offertorium und „Lamm Gottes“ zum Agnus Dei, ehe ein wunderschön interpretiertes Taizélied den musikalischen Reigen schloss.

Zelebrant Leo Vetter-Diez erinnerte in seiner Predigt an den liturgischen Sinn des 2. Fastensonntags, an dem der Verklärung des Herrn vor den Augen von drei seiner Jünger auf dem galiläischen Berg Tabor gedacht wird.

Ausserdem predigte er über den israelitischen Stammvater Abraham und seinem Weg der Verheissung Gottes, die von Fruchtbarkeit und reicher Nachkommenschaft kündete.

Walter Dohr

Abend des Lichtes

Abend des Lichtes, der Musik und des Gebetes

 

Pfarrer Hans-Josef Lahr vertiefte mit gewählten Worten den liturgischen Sinn und religiösen Hintergrund des

„Abends des Lichtes, der Musik und des Gebetes“, der in zeitlicher Nähe zum 2. Fastensonntag in der Hennefer Pfarrkirche St. Simon und Judas veranstaltet und von vielen Besuchern miterlebt wurde.

Bevor sie die Kirchenbänke aufsuchten, entzündeten sie eine Kerze und so verbreitete sich eine Atmosphäre, die wahrlich zur inneren Einkehr animierte. Der Pfarrer betonte in seiner Begrüssung den Charakter und die Intention der praktizierten „Offenen Liturgie“, die ein stilles Kommen und Gehen erlaubt. Darüber hinaus machte er damit vertraut, dass man persönliche Gebete und Fürbitten in einem Körbchen hinterlegen könne, die an Klosterschwestern weitergegeben würden. Ausserdem legte er den Christen ans Herz, die Nähe Gottes zu suchen und sich in ihn zu versenken.

So kostete man die Stille aus, erfreute sich an der vorzüglichen Illumination, lauschte andächtig den Gebeten, Fürbitten und liturgischen Texten (die der Geistliche und eine Lektorin verlas), stimmten auf glaubensfrohe Weise in die ausgesuchten Gemeindegesänge (von Kantor Norbert Schmitz-Witter sorgfältig und gekonnt auf der Orgel begleitet) ein und hatte seine helle und innere Freude an den vom Kirchenchor an St. Simon und Judas Hennef wirklich ausgezeichnet intonierten Chorstücken.

Der versierte Kantor, der den Chor dirigierte und gleichzeitig an der Rieger-Orgel in kunstfertiger Manier begleitete, hatte Chorwerke ausgesucht, die der eigentlichen Thematik des Abends durchaus gerecht wurden. Die stimmliche Präsenz konnte man auch in einem Chorsatz von John Rutter (1945) oder einem seiner angelsächsischen Mitstreiter hören. Ein schönes Erlebnis war die Begegnung mit dem von Dietrich Bonhoeffer getexteten Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Der Chorleiter hatte eine Chorfassung gefunden, die mit ihren stimmbewussten und emphatischen Aufschwüngen reizvolle Kontraste zu Tage förderte.  

Walter Dohr